Ein Brief

Alles Handgeschriebene trägt die Spur von Menschen. Drei mit einer Feder geschriebene Zeilen, lösen im modernen Menschen, der nur noch an E-Mails gewöhnt ist, unbeschreibliche Gefühle aus. Der Blick des Auges bleibt auf der Stelle haften, wo zuvor die Feder das Papier berührt hat. Da ist ein Stück alten Lebens, dass wieder belebt wird, ein Echo aus früheren Zeiten, das widerhallt. Ein bewegter Augenblick.

Mein Wunsch wäre gewesen, diese Seiten mit der Hand zu schreiben doch ich begnüge mich mit der Hoffnung, dass euer Auge diese Seiten als das wahrnehmen, was sie sind: Eine “gedruckte” Botschaft, die dennoch sehr persönlich und voller Freundschaft ist.

Das jedenfalls sind die einleitenden Worte im Cthulhu Blog. Für mich jedenfalls etwas besonderes, denn ich liebe es mit dem Füller zu schreiben. Leider hab ich vor langer Zeit verlernt, Briefe mit der Hand zu schreiben. In der hektischen Zeit reicht es heutzutage fast immer nur noch für eine Email voller und teilweise unverständlicher Kürzel.

In dieser Zeit nun bekomme ich von einem guten Freund jedes Jahr zu Weihnachten einen Brief. Ganz in der Tradition Lovecrafts, den wir beide sehr verehren. Letztes Jahr hab ich nun nicht nur einen Brief bekommen, es lag auch ein Geschenk bei. Ein Buch von Paul Auster, eine Weihnachtsgeschichte: Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte. So wie ich die Briefe meines Freundes immer am Hl. Abend im Kreise meiner Liebsten lese, so möchte ich es mit Auggies Geschichte halten. Jedes Jahr werde ich die Geschichte erneut lesen und sie wird mich jedes Jahr aufs neue erfreuen. Das mag jetzt sentimental klingen aber eine handgemachte Weihnachtskarte und ein 20-seitiger, handgeschriebener Brief, sind es auf keinen Fall. Nicht für mich. Ich fühle mich dann immer ein wenig schuldig, denn meine Antwort besteht aus einer schnell geschriebenen Mail, mit dem Versprechen, diesmal ganz bestimmt in ähnlicher Forum zu antworten. Was dann doch nicht passiert. Aber trotzdem bekomme ich wieder einen Weihnachtsbrief.

Danke mein Freund, möge diese unsere Freundschaft noch lange gewähren.

Sir Thomas, Esq. im Jahre 1809 unseres Herrn

1 Kommentar »

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  1. Schönes Ritual. Die Weihnachtsgeschichte gehörte auch zu meinen.

    Kommentar by mg — 6. Januar 2010 #

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